Papageienarten

Aras artgerecht halten und pflegen: Platzbedarf, Beschäftigung, Lautstärke

Alles über die Haltung großer Aras in der Schweiz: Mindestvolumen, soziale Ansprüche, Lautstärke, Fütterung, Beschäftigung und was Bewilligungen sowie Sachkundenachweis voraussetzen.

Von pappagalli Redaktion · Aktualisiert Juni 2026

Aras artgerecht halten und pflegen: Platzbedarf, Beschäftigung, Lautstärke

Aras sind Charaktere - farbenfroh, intelligent und unglaublich laut. Wer einen Ara im Wohnzimmer halten möchte, braucht nicht nur Geduld und finanzielle Rücklagen, sondern auch ein realistisches Bild davon, was diese faszinierenden Vögel brauchen: Platz, Partner, Geduld und vor allem in der Schweiz: eine Bewilligung und einen Sachkundenachweis. Bevor du einen Ara ins Haus holst, solltest du ein paar ehrliche Fragen stellen.

Was macht die Schweizer Tierschutzverordnung für Aras verbindlich?

Aras fallen in der Schweiz unter die Kategorie der großen Papageien - und das hat ernsthafte rechtliche Konsequenzen. Die private Haltung großer Aras ist bewilligungspflichtig, und für die Haltung musst du einen Sachkundenachweis erbringen. Das bedeutet: Bevor du einen Vogel kaufst, brauchst du ein amtliches Okay. Dein kantonales Veterinäramt oder die Kantonstierärztin entscheiden, ob du die notwendigen Kenntnisse mitbringst und die Haltungsbedingungen einhalten kannst.

Zusätzlich gelten die allgemeinen Paarhaltungsbestimmungen der Tierschutzverordnung (TSchV): Aras dürfen nicht alleine gehalten werden, Ständerhaltung ist untersagt, und das Kupieren der Flügel - also das Stutzen der Schwungfedern - ist verboten.

Die Mindestvorgaben für zwei große Aras sind ebenfalls konkret: Mindestens 10 m² Grundfläche und 30 m³ Volumen bei einer Höhe von mindestens 3 m. Ein Drittel des Volumens muss frei von Strukturen bleiben, damit die Vögel tatsächlich fliegen können.

Wie laut sind Aras wirklich - und ist das ein Problem?

Das ist die ehrliche Frage, die du dir stellen musst: Aras zählen zu den lautesten Papageienarten. Ihre Schreie erreichen Lautstärken von 120-130 Dezibel - das ist so laut wie ein Presslufthammer. Diese Lautstärke ist nicht Aggression oder Stress, sondern völlig normales Ara-Verhalten. Sie schreien, wenn sie morgens aufwachen, wenn sie aufgeregt sind, wenn andere Aras in der Nähe sind, und manchmal einfach so.

In einem Mehrfamilienhaus ist dies ein echtes Problem. Nachbarn sind keine Ara-Enthusiasten, und wiederholte Lautstärkebeschwerden können zu Konflikten bis hin zu rechtlichen Schritten führen. Vor dem Kauf solltest du dich mit deinen Nachbarn abstimmen oder zumindest realistisch einschätzen, ob deine Wohnumgebung überhaupt geeignet ist. Ein Einfamilienhaus mit Abstand zur Nachbarschaft ist deutlich besser geeignet als eine Dachwohnung.

Kannst du die Lautstärke reduzieren? Nur marginal. Eine stabile Routine mit regelmäßigen Lichtverhältnissen, gute Beschäftigung und ein ruhiges Umfeld helfen ein wenig - aber einen Ara zum Schweigen zu bringen, ist unmöglich und würde auch nicht fair sein.

Warum darf mein Ara nicht alleine leben?

Aras sind hochsoziale Vögel, die in der Natur in Paaren oder Familiengruppen leben. Die Schweizer Tierschutzverordnung schreibt daher vor, dass auch in privater Haltung Aras mindestens zu zweit gehalten werden müssen. Das ist kein Luxus - es ist ein Grundbedarf.

Ein alleine gehaltener Ara entwickelt schwerwiegende Verhaltensstörungen: Federrupfen, Aggressivität, Apathie und psychosomatische Erkrankungen. Ein Spiegel, ein Spielzeug oder sogar ein intensives Verhältnis zum Menschen kann keinen echten Artgenossen ersetzen. Ein Ara braucht einen anderen Ara, um sein Sozialverhalten auszuleben - gegenseitiges Putzen, Schlafplatzwahl zu zweit und die gegenseitige Kommunikation mit einem Vogel, der seine Körpersprache versteht.

Ein Partnervogel sollte idealerweise die gleiche Art sein, geschlechtsdimorph (männlich und weiblich) und nicht zu sehr im Alter unterschiedlich. Lies mehr über die richtige Partnervogel-Wahl, denn auch die Vergesellschaftung großer Aras braucht Geduld und fachliches Wissen.

Wie lange leben Aras?

Das ist eine Frage, die man ernst nehmen sollte: Bei artgerechter Haltung liegt die Lebenserwartung großer Araarten zwischen 40 und 50 Jahren. Manche Aras werden älter. Das bedeutet: Wenn du einen Ara mit 30 Jahren anschaffst, könnte der Vogel immer noch dein Leben um Jahrzehnte überdauern.

Das ist eine generationenübergreifende Verantwortung. Wer einen Ara kauft, muss nicht nur den eigenen Lebensentwurf überdenken - Umzug, Lebenssituation, Partner - sondern auch klären, was mit dem Vogel passiert, wenn es dir selbst nicht mehr gut geht. Viele Aras landen in Schutzstationen, nicht weil sie ungeliebt sind, sondern weil ihre Halter plötzlich nicht mehr für sie sorgen können.

Was braucht ein Ara täglich zu essen?

Aras sind Körnerfresser von Natur aus, aber eine reine Körnermischung führt zu Verfettung, Vitamin-A- und Kalziummangel. Die moderne, fachlich anerkannte Fütterung besteht aus drei Komponenten:

1. Hochwertige Pellets als Basis - Diese sollten 50-80 % der Ration ausmachen. Allerdings ist dieser Anteil unter Fachleuten umstritten. Pellets liefern gleichmäßige Nährstoffe ohne selektives Fressen. Wähle Sorten ohne Zucker- und Farbzusätze.

2. Tägliches Frischfutter - Gemüse wie Karotte, Paprika, Brokkoli und Blattgemüse sollten täglich angeboten werden. Auch Obst in Maßen: Apfel (ohne Kerngehäuse), Traube, Mango und Aprikose sind beliebt. Verboten sind Avocado, Schokolade, Koffein, Alkohol, Zwiebel und stark Salziges. Mehr über sichere Sorten findest du im Ratgeber zu Obst und Gemüse für Papageien.

3. Eine kontrollierte Körnerration - Ein kleinerer Anteil gemischter Körner dient der Beschäftigung und Zahnabnutzung. Achte auf mäßigen Fettanteil, besonders bei verfettungsanfälligen Individuen. Sonnenblumenkerne sollten nur gelegentlich angeboten werden.

Aras sind individuell - manche brauchen fettärmere Kost, andere vertragen mehr Körner. Ein vogelkundiger Tierarzt kann dir bei Fragen zur Ernährung deines spezifischen Vogels helfen.

Wie halte ich einen Ara geistig beschäftigt?

Aras sind aussergewöhnlich intelligent und brauchen tägliche mentale Stimulation - sonst wird langweile zum Verhaltensproblem. Hier sind die wirksamen Strategien:

Kauspielzeug und Zerstörbares - Aras nagen und zerstören mit enormer Kraft. Robustes Spielzeug aus Holz, Kork und natürlichen Materialien ist essentiell. Biete regelmäßig neues an, denn abgelöste Stücke sind bei Aras normale Folge ihres Nagerverhaltens.

Foraging und Futtersuchspiele - Verstecke Futter in Schachteln, Papiertüten oder Naturmaterialien. Das macht die Mahlzeit zur Schatzsuche und beschäftigt den Vogel mental.

Trainingssitzungen - Aras sind lernfähig. Mit Clickertraining oder einfacher positiver Verstärkung lassen sich Tricks trainieren. Das stärkt auch die Bindung und gibt dem Vogel eine Aufgabe.

Freiflug und Erkundung - Mehrere Stunden täglicher, begleiteter Freiflug in einem vogelgesicherten Raum ist essentiell. Dabei sollte der Raum frei von giftigen Pflanzen, PTFE-beschichteten Pfannen und anderen Gefahren sein. Offene Fenster müssen mit stabilen Netzen gesichert sein.

Abwechslung und Routine - Aras brauchen beides: Struktur (gleiche Schlaf- und Wachzeiten) und Abwechslung (neue Spielzeuge, verschiedene Räume, Außeneindrücke wenn möglich).

Sicherheitsrisiken: Was kann einem Ara schaden?

Einige Gefahren sind oft unterschätzt:

PTFE und Teflon-Dämpfe - Beschichtete Bratpfannen setzen beim Erhitzen giftige Gase frei, die für Vögel oft tödlich sind. Nutze Edelstahlpfannen oder gusseiserne Varianten.

Zink und Blei - Diese Metalle sind in manchen billigen Spielzeugen oder älteren Käfigen enthalten. Vergiftung führt zu Lähmung, Durchfall und Tod. Verwende ausschliesslich Edelstahl oder vogelgeprüfte Materialien.

Giftige Pflanzen - Efeu, Ficus, Weihnachtssterne und viele Topfpflanzen sind giftig. Falls dein Ara einen Topf umwirft oder Blätter nascht, solltest du sofort einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen.

Durchzug und Temperaturschocks - Aras stammen aus tropischen Klimazonen. Raumtemperaturen unter 15°C oder starke Temperaturwechsel stellen Stress dar.

Mehr Sicherheitstipps für verschiedene Situationen findest du im Ratgeber zu Freiflug und Sicherheit.

Welche Besonderheiten sollte ich bei großen Aras kennen?

Aras haben Besonderheiten, die kleinere Papageien nicht haben:

Physische Kraft - Mit Schnabelkraft und Intelligenz können Aras Schlösser öffnen, Holzstrukturen zerlegen und Menschen verletzende Schnabelhiebe austeilen. Handling und Vertrauen sind deshalb essentiell.

Emotionale Bindung - Aras bildenden oft intensive Paarbindungen, auch zu ihren Menschen. Ein Ara kann eifersüchtig, besitzergreifend oder aggressiv werden, wenn diese Bindung bedroht ist. Das erfordert psychologisches Einfühlungsvermögen.

Sprachfähigkeit - Viele Aras lernen Worte und Lautmuster. Das ist faszinierend, aber auch anstrengend, denn Aras wiederholen ihre Lieblingsvokabeln immer wieder.

Allergie und Vogelstaub - Aras produzieren weniger Vogelstaub als manche Kakadus, aber empfindliche Menschen können allergisch reagieren.

Für all diese Punkte lohnt sich der Austausch mit einem erfahrenen Arahalter oder einer vogelkundigen Tierklinik - die gibt dir realistische Erwartungen.

Aras sind nicht für jeden geeignet. Sie brauchen Platz, Partner, einen stabilen rechtlichen Rahmen und jemanden, der bereit ist, sich für die nächsten 40-50 Jahre um einen sehr intelligenten, sehr lauten und sehr eigensinnigen Vogel zu kümmern. Wer diese Voraussetzungen erfüllt, bekommt im Gegenzug einen der faszinierendsten Vögel der Welt - aber das sollte eine bewusste, durchdachte Entscheidung sein.

Häufige Fragen

Brauche ich in der Schweiz eine Bewilligung für einen Ara?

Ja, die private Haltung großer Aras ist in der Schweiz bewilligungspflichtig und an einen Sachkundenachweis gebunden. Kläre dies vor der Anschaffung unbedingt mit deinem kantonalen Veterinäramt ab. Kleinere Araarten wie der Zwergara können unter Umständen ohne Bewilligung gehalten werden - erkundige dich aber vorab.

Wie laut sind Aras wirklich?

Aras gehören zu den lautesten Papageienarten. Ihre Schreie erreichen 120-130 dB und können zu Nachbarschaftskonflikten und Stress führen. Regelmäßiges Schreien ist normal und ein Zeichen von Wohlbefinden, lässt sich aber durch Routine, Beschäftigung und stabile Lichtverhältnisse etwas reduzieren.

Kann ich einen Ara alleine halten?

Nein. Aras sind hochsoziale Vögel und müssen laut Schweizer Tierschutzverordnung mindestens zu zweit gehalten werden. Ein Ara alleine entwickelt schwere Verhaltensstörungen wie Federrupfen, Aggressivität und Depression. Ein Spiegel oder Spielzeug ersetzt keinen echten Partner.

Wie lange leben Aras?

Bei artgerechter Haltung liegt die Lebenserwartung von großen Araarten zwischen 40 und 50 Jahren, manche Vögel werden älter. Das ist eine generationenübergreifende Verantwortung - wer einen Ara kauft, bindet sich für Jahrzehnte.

Wie viel Freiflug braucht ein Ara täglich?

Die Schweizer Tierschutzverordnung schreibt keine feste Stundenanzahl vor, sondern ein Mindestvolumen der Voliere sowie freien Flugraum. Fachlich empfohlen werden mehrere Stunden täglicher, begleiteter Freiflug in einem vogelgesicherten Raum zur Bewegung und mentalen Stimulation.